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A fool with a tool


IT-Security muss einer ganzheitlichen Informationssicherheitsstrategie folgen
Die große Frage: Ist überhaupt eine Security-Policy im Unternehmen vorhanden, die die strategische Ausrichtung der Unternehmenssicherheit vorgibt?


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Von Fabian Beutel, Dipl.-Wirt.-Inform. (BA), CISSP, Lead Consultant IT-Security bei IT-Cube Systems

Unternehmen stehen heute vielfältige Sicherheitslösungen zur Verfügung. Doch ein Sammelsurium aus technischen Einzelmaßnahmen kann nur bedingt gegen Angriffe schützen. Vielmehr benötigen Unternehmen eine Informationssicherheitsstrategie, gestützt auf Prozesse und Tools die es einem Unternehmen ermöglichen, Informationssicherheit effizient und effektiv zu managen. Der Schlüssel zum Erfolg wird dabei im richtigen Mix aus Menschen und deren Fähigkeiten, Prozessen und Tools liegen. Nur so wird es Unternehmen gelingen proaktiv zu agieren und durch Antizipation zukünftiger Bedrohungen und entsprechender Vorbereitung die richtigen Maßnahmen zum Schutz ihrer sensiblen Daten zu treffen.

Viele Tools = hohe Sicherheit?
Die klassische Firewall kennt heute vom Heimanwender bis zum Entscheidungsträger im Unternehmen jeder. Über die tatsächliche Wirksamkeit des Paketfilters machen sich jedoch nur Spezialisten Gedanken, denen klar ist, dass neue, effektivere Wege zum Schutz des Perimeters eingeführt werden müssen. Der Markt bedient die Notwendigkeit des gesteigerten Schutzniveaus mit so genannten Next Generation Firewalls, User Behaviour oder applikations-zentrischen Firewalls und vielem anderem mehr. So gibt es heute für jede marketinggerecht aufbereitete Bedrohung die offensichtlich richtige Lösung zum Schutz:

• >> Virenschutzlösungen am Übergang vom Firmennetz ins Internet für den Web- und Mailverkehr und auf dem Client – eingeführt.
• >> Mailgateway mit Zusatzfunktionen zum Abwehren von SPAM-Mails erweitert – erledigt.
• >> Besonders kritische Netzwerkverbindungen durch Firewall und Intrusion Prevention System überwacht – System installiert und erfolgreich umgesetzt.
• >> Fix noch eine Mobile Device Managment-Lösung in das Netzwerk integriert und mit dem Remote-Access System verbunden, damit der reibungslose Zugang zum Netzwerk auch von außen und idealer Weise von jedem mobilen Gerät möglich ist.

Aber sind die vielfältigen Security Lösungen auch effektiv konfiguriert? Liefern sie das gewünschte Sicherheitsniveau?
Darüber hinaus sind die IT-und Security-Abteilungen einem ständigen Kostendruck ausgesetzt, sollen Innovationen des Unternehmens durch flexible Systemarchitekturen möglichst sofort unterstützen und die Digitale Transfomation vorantreiben. Nicht zu vergessen die aktuell omnipräsente Berichterstattung zur EU-DSGVO, deren Auswirkungen die Datenschutz- und Sicherheitsverantwortlichen in den nächsten Monaten auf Trab halten werden. Wobei, schenkt man den Hochglanzbroschüren der Hersteller glauben, so gibt es bereits eine Vielzahl vermeintlicher Lösungen, mit denen sich die Anforderungen an die EU-DSGVO erfüllen lassen.

Es ist eine große Verantwortung die auf den Schultern der IT- und Sicherheitsverantwortlichen lastet, in einer Welt in der sich die Bedrohungslage permanent und immer schneller ändert und Angriffe auf jedes Unternehmen zu jeder Zeit stattfinden. Die Frage, die sich Unternehmensführer und Sicherheitsmanager heute stellen müssen lautet heute nicht mehr, ob mein Unternehmen angegriffen wird, sondern vielmehr, ob es den Angriff überhaupt rechtzeitig erkennen, sowie zeitnah und angemessen reagieren kann- denn der Angriff findet statt. In diesem Szenario versprechen unzählige Hersteller von IT-Sicherheitstechnologie, -Beratungshäuser und -Systemintegratoren Abhilfe durch die perfekten Security-Tools. Problem erkannt – Lösung identifiziert – Produkt installiert – Sicherheitsniveau erhöht.

Doch ist es wirklich so einfach? Partiell identifizierte Lücken in der Sicherheitsarchitektur durch neue, zusätzliche oder bessere Produkte schließen? Leider nein. In der Praxis sehen wir dieses Verhalten nach wie vor sehr oft, da es vermeintlich eine schnelle Lösung zur Reduzierung für ein identifiziertes Risikos verspricht. Jedoch rückt die Integration in eine ganzheitliche Sicherheitsstrategie oftmals in den Hintergrund.

Es sei an dieser Stelleerwähnt, dass der Einsatz von Security-Tools – gleich welcher Ausprägung – nicht generell als schlecht angesehen wird. Es gibt viele Lösungen, die für Unternehmen ein absolutes Must-have darstellen, um ein Minimum an Schutzniveau zu erreichen und viele sind, da sie sich in der jeweiligen Branche als Best-Practice durchgesetzt haben, auch mit den besten Argumenten nicht wegzudiskutieren und bilden oftmals die erste und zweite Verteidigungslinie.

Problematisch ist dabei der oftmals blinde Glaube, mit dem reinen Einsatz von Security-Produkten jede Lücke, jedes Risiko und Problem eliminieren zu können. iT-Cube hat ermittelt, dass ein durchschnittliches mittelständisches Unternehmen (mit mehreren Lokationen über Länder verteilt, einem gewissen Grad an Digitalisierung und Mitarbeitern, die es gewohnt sind mobil zu arbeiten) heute durchschnittlich zwölf bis fünfzehn unterschiedliche Security-Lösungen im Einsatz hat. Diese Security-Lösungen finden sich bei allen Unternehmen in der einen oder anderen Ausprägung, wobei Anforderungen an Redundanz und Verfügbarkeit, das Schutzniveau, die Erfüllung spezieller regulatorischer oder branchenspezifischer Anforderungen die Anzahl schnell steigen lässt.

IT-Security muss einer ganzheitlichen Informationssicherheitsstrategie folgen

Und wer stellt nun sicher, dass mit diesen vielfältigen und hochkomplexen Technologien das zu erreichende Schutzniveau auch eingehalten und permanent verbessert wird? Ist überhaupt eine Security-Policy im Unternehmen vorhanden, die die strategische Ausrichtung der Unternehmenssicherheit vorgibt? Die meisten Lösungen werden von Integratoren implementiert und auf Basis der Kundenanforderungen und Erfahrungswerten des Integrators konfiguriert. Nicht wenige Unternehmen verzichten dabei völlig auf einen Proof of Concept, in dem die notwendigen Usecases unter realen Bedingungen getestet und neutral bewertet werden.

Nur zu gern wird der Proof of Concept vom Hersteller der Lösung in einem optimierten Setup ohne reale Daten und ohne die notwendige Integration mit anderen Tools und Prozessen getestet. Im täglichen Betrieb bleibt dem Administrator in seinem täglichen Arbeitsablauf bestehend aus Troubleshooting, Projektarbeit und Konfigurationsänderung für mehr als eine Lösung oftmals keine Zeit, die Konfiguration zu überprüfen oder gar zu verbessern. Selbst die notwendige Dokumentation bleibt auf der Strecke.

Die schnelle Tool-Einführung und damit die vermeintliche Verbesserung der technischen Security hat aber nichts damit zu tun, eine zielgerichtete, nachhaltige und vor allem ganzheitliche Informationssicherheitsstrategie im Unternehmen zu verankern. Diese Informationssicherheitsstrategie basiert auf der Bereitschaft des Unternehmens, Risiken zu managen und kritische Assets angemessen zu schützen. Aus der Strategie kann das Unternehmen dann die zu etablierende Governace-Struktur ableiten.

Diese stellt in Folge sicher, dass nicht nur einzelne Bereiche im Unternehmen geschützt werden, sondern Informationssicherheit unternehmensweit Geltung erlangt und bei den Mitarbeitern eine gewisse Grundsensibilisierung für das Thema IT-Security geschaffen wird. Die sich auf die Governance stützenden Vorgehensweisen und Prozesse, wie z.B. ein Prozess zur sicheren Anwendungsentwicklung, das Nachhalten von Sicherheitsvorfällen oder auch das Risiko- und Business-Continuity-Management werden nun durch entsprechende zielführende Prozesse und sie unterstützende Technologie getragen.

Doch neben der Organisation, Prozessen und Technologie muss auch ein weiterer wesentlicher und entscheidender Faktor für eine ganzheitliche Informationssicherheitsstrategie berücksichtigt werden: der Faktor Mensch. Nur geeignetes und mit ausreichend Fachkenntnis ausgestattetes Personal er-möglicht es der Organisation das Optimum aus Tools und Prozessen herauszuholen. Vor allem das Finden von geeigneten Security-Experten zum Aufbau eines eigenen Security Operating Center (SOC) stellt aktuell neue Herausforderungen an Unternehmen, weshalb sich nicht wenige Unternehmen, die den Wert eines funktionierenden und holistischen Security Managments erkannt haben, SOC-Dienstleistungen ganz oder in Teilen auslagern.

Doch es ist letztlich völlig egal, ob der Betrieb selbst oder als Dienstleistung erbracht wird: Es muss sichergestellt werden, dass die Mitarbeiter der Security-Abteilungen durch Tools und Prozesse optimal und möglichst automatisiert unterstützt werden, sodass sie sich auf die wichtigen Aufgaben ihres Jobs konzentrieren können – die kontinuierliche Erhöhung des Schutzniveaus und somit eines sich permanent verbessernden Reifegrads der unternehmensweiten ganzheitlichen Sicherheitsarchitektur.
(IT-Cube Systems: ra)

eingetragen: 17.12.17
Home & Newsletterlauf: 08.01.18


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Meldungen: Grundlagen

  • Große Zahl ungesicherter IoT-Geräte

    DDoS-Angriffe haben sich in den letzten sechs Monaten nahezu verdoppelt. Laut einer Studie von Corero Network Security entspricht das einem monatlichen Mittel von 237 Angriffsversuchen. Einer der Gründe für den Anstieg liegt in der hohen Zahl einfach zu übernehmenden IoT-Geräten, die zumeist nur unzureichend geschützt sind. Diese "smarten" Geräte eignen sich dann ganz vorzüglich um zu einem Teil eines riesigen Botnets zu werden. Dieses Problem wird sich weiter verschärfen. Dazu muss man nur an die unzähligen Gadgets für Endverbraucher denken, die etwa in der Weihnachtszeit über die physischen und virtuellen Ladentische gewandert sind. Diese Geräte sind eines der vordringlichen Ziele für die Übernahme durch Hacker. Neben den Bedenken, die man im Hinblick auf die Sicherheit der Privatsphäre und vertraulicher Daten hegen kann gibt es noch eine ganze Reihe von weiteren ernsthaften Gefahren, die mit diesen Geräten verbunden sind. Hacker machen sich unsichere IoT-Geräte zunutze um riesige Bot-Netze aufzubauen und DDoS-Attacken zu lancieren. Unsichere IoT-Devices waren in einigen der größten DDoS-Angriffe auf Online-Plattformen innerhalb der letzten Jahre beteiligt. Es spielt bei DDoS-Angriffen keine Rolle, wie groß ein Unternehmen ist. Gefährdet sind alle. Und sollten entsprechend Sorge tragen, was die Sicherheit ihrer Geräte, Daten und Netzwerke anbelangt.

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  • Was ist Certificate Transparency?

    Möglicherweise haben Sie schon vor einigen Jahren von Certificate Transparency (CT) gehört, als Google die Anforderung für alle Extended Validation (EV) SSL/TLS-Zertifikate ankündigte, die nach dem 1. Januar 2015 ausgestellt worden sind. Seitdem hat Google die Anforderung auf alle Arten von SSL-Zertifikaten ausgedehnt und zuletzt eine Frist bis zum April 2018 gesetzt. Zertifikaten, die nicht CT-qualifiziert sind und die nach diesem Datum ausgestellt werden, wird in Chrome nicht vertraut. GlobalSign hat im Hintergrund bereits daran gearbeitet, dass alle Zertifikate mit CT ausgestattet werden - Extended Validation (EV) seit 2015, Domain Validated (DV) seit August 2016 und Organisation Validated (OV) ab Oktober 2017 - GlobalSign-Kunden sind damit für den Fristablauf seitens Google gerüstet.

  • Wo ist der Authentifizierungsprozess fehlbar?

    Ich habe den größten Teil meines beruflichen Lebens damit verbracht Authentifizierungslösungen zu programmieren, zu implementieren, weiterzuentwickeln und zu patentieren. Daher nehme ich mir das Recht heraus zu sagen, letzten Endes funktioniert Authentifizierung einfach nicht. Mit "funktionieren" im engeren Sinne meine ich, dass es zu 100Prozent garantiert ist, dass es sich tatsächlich um eine vertrauenswürdige Identität handelt, wenn eine Benutzeridentität von einer Authentifizierungslösung an den betreffenden Partner weitergeleitet wird. Und genau das lässt sich nicht garantieren. Es lässt sich belegen, dass und wie der eigentliche Validierungsprozess innerhalb der Authentisierung funktioniert. Das bedeutet, wir verifizieren mathematisch und empirisch, dass die von einem Authentifizierungsmechanismus zusammengestellte Entität mit den Werten übereinstimmt, die in der Datenbank des akzeptierenden Dritten gespeichert sind, also "matched". Das kann ein Passwort sein, ein Einmal-Passwort, OTP, X.509-basierte Verschlüsselung, biometrische Merkmale, mobile Push-Werte oder eine Gesichtserkennung. In einem Satz: Der Authentisierungsprozess lässt sich validieren und damit auch, dass das technische System korrekt arbeitet.

  • Rollende Sicherheitslücken

    Viele Fahrzeuge sind heutzutage längst zu rollenden Computern geworden, denn bereits jetzt stecken in der Software eines modernen Oberklasse-PKW etwa 100 Millionen Codezeilen. Zum Vergleich: Die Flugsoftware einer Boeing 787 Dreamliner kommt mit etwa 14 Millionen Zeilen aus. Die Erwartungen an das zukünftige autonom fahrende Auto sind vielzählig: Mehr Sicherheit auf den Straßen, mehr Komfort, beispielsweise durch selbstständiges Einparken, die Nutzung eines Autopiloten im Stau oder komplett fahrerlose Roboterautos, welche im Car-Sharing-Verfahren neue Infrastrukturmöglichkeiten bieten könnten. Dem gegenüber stehen die Ängste: Bei Technikfehlern nur noch ein hilfloser Passagier an Board zu sein oder Opfer eines Hacker-Angriffs zu werden.