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Blaupause eines Cyberangriffs


Bitdefender-Labs rekonstruieren Bankenattacke der Carbanak-Gruppe im zeitlichen Verlauf
Gegenstand der Untersuchung war ein Angriff auf ein osteuropäisches Finanzinstitut, der sich im Mai 2018 ereignete

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Experten der Bitdefender-Labs ist es gelungen, den zeitlichen Verlauf eines Angriffs der Carbanak-Gruppe vollständig zu rekonstruieren. Opfer war eine osteuropäische Bank. Die Rekonstruktion aller Aktivitäten der Attacke liefert wertvolle Erkenntnisse für die Sicherung kritischer Infrastrukturen und zeigt die Bedeutung von Endpoint-Security-Maßnahmen auf. Während die Infiltrierung des Netzwerks bereits nach 90 Minuten abgeschlossen war, bewegten sich die Angreifer mit Hilfe der Cobalt Strike Malware weitere 63 Tage durch die gesamte Infrastruktur, um das System auszuspähen und weitere Informationen für den finalen Raubüberfall zu sammeln. Wäre die Attacke erfolgreich gewesen, hätten die Kriminellen unbemerkt über das Geldautomatennetzwerk verfügen können.

Gegenstand der Untersuchung war ein Angriff auf ein osteuropäisches Finanzinstitut, der sich im Mai 2018 ereignete. Die Infiltration mittels einer Spear-Phishing-Kampagne mit der URL swift-fraud.com/documents/94563784.doc sowie der Einsatz der Cobalt Strike Malware deuten auf die Carbanak-Gruppe hin. Die Carbanak-Bande blickt auf eine lange Erfolgsgeschichte bei Angriffen auf Finanzinstitutionen zurück. Ihre Strategie zielt darauf ab, illegale Transaktionen durchzuführen oder Geldautomateninfrastrukturen zu übernehmen, die mit Hilfe von "Money Mules" geplündert werden.

Mehrere Spear-Phishing-Kampagnen, die alle zwischen März und Mai 2018 stattfanden und Carbanak zugeschrieben werden, wurden von Sicherheitsforschern analysiert. Diese Kampagnen gaben sich als E-Mails von hochkarätigen Organisationen wie IBM, der Europäischen Zentralbank oder auch von Cybersicherheitsunternehmen aus. Durch die Auswertung von Threat Intelligence Feeds und Logfileanalysen der im Mai 2018 betroffenen Bank ist es den Experten von Bitdefender nun gelungen, den zeitlichen Verlauf eines derartigen Angriffs detailliert zu rekonstruieren.

Tag 0: Infiltration
An einem regulären Arbeitstag um 16:48 Uhr erhalten zwei Mitarbeiter einer Bank eine E-Mail, dessen schadhaften Anhang beide unabhängig voneinander binnen einer Minute öffnen. Das angehängte Dokument nutzt die Remote Code Execution Exploits CVE-2017-8570, CVE-2017-11882 und CVE-2018-0802 von Microsoft Word. Darüber wird unbemerkt eine Verbindung zu einem C&C-Server über eine Backdoor hergestellt: Die Datei smrs.exe (d68351f754a508a386c06946c8e79088) initiiert einen Shell-Befehl, der wiederum den Cobalt Strike Beacon herunterlädt.
Im Anschluss daran werden Zugangsdaten zum Domain-Server entwendet, getestet und schließlich der Domain-Controller übernommen. Mit Ende dieser ersten Angriffswelle um 18:20 Uhr sind die Angreifer bereits in der Lage, weitere Nutzerdaten herunterzuladen und auszuführen, sich unbemerkt durch das System zu bewegen, Dateien zu löschen und Registrierungsschlüssel zu beseitigen, um ihre Spuren zu verwischen.

Tag 1-28: Ausspähung
In den fünf darauffolgenden Wochen konzentrieren die Angreifer ihre Aktivitäten darauf, systematisch zahlreiche Arbeitsplätze zu kompromittieren, um an Informationen zu gelangen, die von Nutzen sein könnten. An Tag 10 erfasst der Angriff den dreizehnten Endpunkt, welcher im späteren Verlauf für die Informationssammlung und -speicherung genutzt wird. An Tag 28 wird eine Reihe von als potenziell wertvoll erachteten Dokumenten zu internen Anwendungen und Verfahren für die Exfiltration vorbereitet.

Tag 30-63: Informationssammlung und Vorbereitung des Diebstahls
Im weiteren Verlauf wird die Informationssammlung systematisiert. In einem Zeitraum von 17 Tagen legen die Angreifer verschiedene Ordner mit Handbüchern, Anleitungen und Schulungsunterlagen für verschiedene Anwendungen an. Dabei ist davon auszugehen, dass diese Informationen nicht nur dazu dienen, den finalen Diebstahl ausführen zu können, sondern auch dazu verwendet werden, Angriffstaktiken für künftige Ziele mit vergleichbaren Systemen zu verfeinern.

Ab Tag 33 beginnen die Angreifer damit, interne Hosts und Server zu kompromittieren, die für den eigentlichen Raubüberfall benötigt werden. Der Cobalt Strike Beacon erzeugt einen VPN-Tunnel zu einem externen Arbeitsplatz der Hacker, von dem aus ausgewählte Workstations der legitimen Bankeninfrastruktur angemeldet werden. Diese C&C-Verbindungen dauerten zwischen 20 Minuten und einer Stunde und wurden stets außerhalb der Geschäftszeiten und an Wochenenden durchgeführt.

An Tag 63 schließlich verwischen die Angreifer ihre Spuren, indem sie sämtliche Beweise für ihre Informationssammlung vernichten.

Wäre der Angriff unentdeckt geblieben, hätten die Hacker die Kontrolle über das Geldautomatennetzwerk der Bank erlangt. Damit wären sie in der Lage gewesen, das Auszahlungslimit an Geldautomaten mit einer vorab autorisierten Karte zurückzusetzen. Auf diese Weise hätten die vor Ort abgestellten Money Mules beliebig oft den festgesetzten Höchstbetrag abheben können, ohne dass von dem betreffenden Automaten die Transaktion als verdächtig an die Bank gemeldet würde.

Im Allgemeinen ist eine Infiltration mittels Spear-Phishing-Kampagnen nicht ungewöhnlich, da es derartigen E-Mails meistens gelingt, Sicherheitsmaßnahmen auf Serverebene zu umgehen. Unternehmen können das Risiko einer Infektion minimieren, wenn Endpoint-Security-Lösungen eingesetzt werden, die über URL-Filter, verhaltensbasierte Analysen und Sandboxing verfügen.

Ein Untersuchungsbericht fasst die zeitliche Abfolge und einzelnen Schritte der Attacke zusammen und steht zum Download zur Verfügung https://labs.bitdefender.com/2019/06/an-apt-blueprint-gaining-new-visibility-into-financial-threats/
(Bitdefender: ra)

eingetragen: 07.07.19
Newsletterlauf: 13.07.19

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Meldungen: Hintergrund

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    Derzeit verbreitet eine Gruppe, die sich als Fancy Bear ausgibt, Ransom Denial of Service (RDoS) Briefe in der Finanzwelt und verfolgt ihre Drohungen. Dies berichtet das Emergency Response Team des Sicherheitsexperten Radware in einer aktuellen Warnung. Die DDoS-Angriffe betrafen bereits südafrikanische ISPs und führten dazu, dass die Teilnehmer in Kapstadt und Johannesburg mit zeitweiligen Verbindungsproblemen konfrontiert wurden. Das Radware Emergency Response Team erhielt Mitteilungen von Kunden über RDoS-Briefe dieser Gruppe, die 2 Bitcoins (derzeit ca. 20.000 USD) fordert. Wenn die Anforderungen nicht erfüllt wurden, reagierte die Gruppe mit tatsächlichen Multi-Vektor-Flood-Attacken, die verschiedene Verstärkungs- und Reflexionsprotokolle wie SSDP, NTP, DNS, CLDAP und die kürzlich bekannt gewordenen ARMS- und WSD-Angriffe nutzen.

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    Emotet, einer der größten Gefahren für Unternehmen, meldete sich mit einer beeindruckenden Malspam-Kampagne zurück. Um seine Spam-Kampagne zu starten, nahm die Schadsoftware Emotet die Speer-Phising Taktik wieder auf, die bereits im Frühjahr 2019 eingesetzt wurde, indem es alte E-Mail-Threads mit personalisierten Betreffzeilen überschrieb und als alte Rechnungen ausgewiesen wurde. Die Angreifer wendeten jedoch eine bemerkenswerte neue Taktik an: Als Lockmittel wurde Edward Snowdens neues Buch Permanent Record verwendet. Malwarebytes Sicherheitsforscher entdeckten Spam-E-Mails in Englisch, Italienisch, Spanisch, Deutsch und Französisch, die behaupteten, eine Kopie von Snowdens Buch in Word-Form zu enthalten.

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    Die Sicherheitsexperten von Kaspersky haben ein bislang unbekanntes Spionagetool entdeckt, das in indischen Finanzinstituten und Forschungszentren gefunden wurde. Die Spyware ,Dtrack' stammt wohl von der Lazarus-Gruppe und wird zum Hoch- und Herunterladen von Dateien, zum Aufzeichnen von Tastenanschlägen und zum Ausführen weiterer Aktionen verwendet, die für ein böswilliges Remote Admin Tool (RAT) typisch sind. Im Jahr 2018 entdeckten Kaspersky-Forscher die Malware ATMDtrack, die Geldautomaten in Indien infiltrierte und Karteninformationen von Kunden stahl. Nach weiteren Untersuchungen mit der Kaspersky Attribution Engine und anderen Tools fanden die Forscher mehr als 180 neue Malware-Samples, deren Codesequenz Ähnlichkeiten mit ATMDtrack aufwies.

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