- Anzeigen -


Sie sind hier: Home » Virenwarnung » Hintergrund

Malware "Olympic Destroyer" macht Schlagzeilen


Die Spuren sind eindeutig, doch wer hat sie gelegt? - Cyberattacken auf Olympia unter falscher Flagge
Kaspersky Lab entlarvt hochentwickelte False Flag in der Olympic-Destroyer-Malware mit neuer Zuschreibungsmethode

- Anzeigen -





Kaspersky Lab veröffentlichte neue Untersuchungsergebnisse über die Malware ,Olympic Destroyer‘, die während der olympischen Winterspiele in Pyeongchang IT-Systeme und Infrastruktur angegriffen hat. Die Studie zeigt: Die Wurm-Malware wurde von den Hintermännern mit einer besonders raffinierten falschen Flagge (False Flag) ausgestattet, um ihre wahre Herkunft zu verbergen.

Während der Winterspiele machten nicht nur die sportlichen Leistungen, sondern auch die Malware Olympic Destroyer Schlagzeilen. Der Wurm legte im Vorfeld der Eröffnungsfeier in Pyeongchang zeitweise die IT-Systeme lahm. So fielen Monitore und WLAN-Angebote aus, aber auch die Website der Olympischen Spiele, so dass Besucher beispielsweise keine Karten mehr drucken konnten. Laut Kaspersky Lab waren zudem Einrichtungen an den Skipisten in Südkorea betroffen: Zugänge und Skilifte in den Skigebieten funktionierten nicht mehr. Auch wenn die Malware letztlich keine gravierenden Folgen hatte, zeigte sie doch ihr zerstörerisches Potenzial.

Die Cybersicherheitsbranche ist jedoch weniger an den tatsächlichen oder möglichen Schäden durch diese Cyberattacke interessiert, sondern eher an der Enttarnung der Hintermänner. Wahrscheinlich gab es bei keinem Cyberangriff zuvor so viele Vermutungen über dessen Zuschreibung wie im Fall Olympic Destroyer. Noch Tage nach seiner Entdeckung arbeiteten Analyseteams aus aller Welt gemeinsam an einer möglichen Zuschreibung der Malware zu Russland, China oder Nordkorea. Die Experten untersuchten dazu eine Reihe bereits bekannter Merkmale, die Akteuren im Bereich Cyberspionage und Sabotage zugeschrieben wurden und die aus den genannten Ländern stammen oder im Dienst der jeweiligen Regierungen
stehen könnten.

Auch die Kaspersky-Experten wollten wissen, welche Hackergruppe hinter der Malware steckt. An einem bestimmten Punkt ihrer Untersuchungen stießen sie auf einen Hinweis, der ganz klar auf eine Verbindung zur Lazarus-Gruppe hindeutete. Die berüchtigte Gruppe wird mit Nordkorea in
Zusammenhang gebracht.

Die Zuordnung beruhte auf einer eindeutigen Spur, welche die Angreifer hinterlassen hatten. Die Kombination bestimmter Features der Entwicklungsumgebung, die sich in den Dateien wiederfinden, kann als eine Art Fingerabdruck angesehen werden, mit dem sich manchmal die Hintermänner der Malware und ihre Projekte identifizieren lassen. Bei dem Sample, das Kaspersky Lab analysiert hatte, zeigte dieser Fingerabdruck eine hundertprozentige Übereinstimmung mit früheren Lazarus-Malware-Komponenten und keinerlei Verbindungen zu anderen, bislang bei Kaspersky Lab bekannten Dateien, egal ob schädlich oder unschädlich. Da es weitere Ähnlichkeiten hinsichtlich der eingesetzten Taktiken, Techniken und Prozeduren (TTPs) gab, nahmen die Experten zunächst an, Olympic Destroyer sei eine Operation von Lazarus. Kaspersky Lab untersuchte jedoch auch die geschädigten Einrichtungen in Südkorea. Dort stießen die Experten auf Ungereimtheiten zu den Lazarus-typischen Prozeduren. Aus diesem Grund und wegen der Motivlage des Angriffs begutachteten die Kaspersky-Experten das außergewöhnliche Artefakt erneut.

Bei dieser zweiten Untersuchung der Hinweise mit einer manuellen Verifikation jedes einzelnen Merkmals erkannten die Experten, dass das Set der Merkmale nicht zum Code passte. Es wurde gefälscht, um eine perfekte Übereinstimmung mit dem Fingerabdruck von Lazarus zu suggerieren.

Die Experten werten daher den Fingerabdruck der Merkmale als einen hochentwickelten False-Flag-Hinweis, der ganz bewusst in die Malware eingebaut wurde. Bei der Gefahrenanalyse sollte der Eindruck entstehen, einen unzweifelhaften Hinweis gefunden zu haben und so von einer weiteren, intensiveren Analyse absehen zu können.

Geopolitische Lage: Sorgfalt bei der Zuschreibung wichtig

"Nach unseren Informationen wurde der von uns gefundene Hinweis noch nie bei einer Zuschreibung verwendet. Dennoch haben die Angreifer beschlossen, ihn zu nutzen, in der Annahme, jemand würde ihn finden", erklärt Vitaly Kamluk, Head of APAC Research Team bei Kaspersky Lab. "Sie setzten darauf, dass eine Fälschung des Artefakts nur sehr schwer zu beweisen ist. Das ist so, als hätten Kriminelle die DNA eines Dritten gestohlen und würden diese dann statt ihrer eigenen am Tatort hinterlassen. Wir haben entdeckt und können auch beweisen, dass die am Tatort gefundene DNA absichtlich dort platziert wurde. All das zeigt den enormen Aufwand, den Angreifer aufzuwenden bereit sind, um so lange wie möglich unentdeckt zu bleiben. Wir haben immer gesagt, dass die Zuschreibung im Cyberspace sehr schwierig ist, weil viele Dinge gefälscht werden können. Olympic Destroyer ist dafür ein sehr gutes Beispiel."

Kamluk führt eine weitere Problematik an: "Was wir aus der Angelegenheit lernen konnten ist, dass die Zuschreibung von Cyberattacken äußerst sorgfältig betrieben werden muss. Zieht man in Betracht, wie politisch aufgeladen der Cyberspace derzeit ist, könnte eine falsche Zuordnung zu schweren Konsequenzen führen. Akteure könnten versuchen, Einschätzungen der Sicherheitsbranche zu manipulieren und die geopolitische Agenda zu beeinflussen."

Tatsächlich steht für Olympic Destroyer die genaue Zuschreibung noch aus, denn die Malware ist ein einzigartiges Beispiel für die Implementierung einer hochentwickelten falschen Flagge. Jedoch haben die Kaspersky-Experten ausmachen können, dass die Angreifer zum Schutz der Privatsphäre den Dienst NordVPN und einen Hosting Provider namens MonoVM genutzt haben. Beide akzeptieren Bitcoins. Diese und weitere ermittelte TTPs wurden bereits von Sofacy genutzt, einem russischsprachigen Akteur. (Kaspersky Lab: ra)

eingetragen: 11.03.18
Newsletterlauf: 07.05.18

Kaspersky Lab: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.

- Anzeigen -





Kostenloser IT SecCity-Newsletter
Ihr IT SecCity-Newsletter hier >>>>>>

- Anzeigen -


Meldungen: Hintergrund

  • Heartbleed lebt & wird von Kriminellen ausgenutzt

    Heartbleed ist ein schwerwiegender Bug in OpenSSL, der bereits im Jahr 2014 entdeckt wurde und es Unbefugten und Kriminellen erlaubt, scheinbar sichere und verschlüsselte TLS-Verbindungen auszuspionieren und private Daten von Clients und Servern zu lesen. Der Global Threat Index für August 2018 von Check Point zeigt, dass der Fehler noch vier Jahre nach seiner Entdeckung zu einer der Schwachstellen zählt, die am häufigsten ausgenutzt werden. Kevin Bocek, VP Security Strategy and Threat Intelligence bei Venafi, erklärt dazu: "Heartbleed lebt und wird von Kriminellen ausgenutzt. Check Point erkennt, dass die zweithäufigste ausgenutzte Schwachstelle im August 2018 Heartbleed war (CVE-2014-0160; CVE-2014-0346). Dies ist ein Weckruf, dass der oft scheiternde Korrekturschritt, die Ersetzung aller Maschinenidentitäten wie TLS-Schlüssel und Zertifikate, noch ausgeführt werden muss."

  • Stehlen von Konto- und Kreditkartendaten

    Bei "Panda Banker" handelt es sich um einen Bankentrojaner, der sich den Source Code des bekannten Zeus-Trojaners zunutze macht. Der tauchte erstmals bereits 2016 auf, ist aber nach wie vor aktiv. Gerade in jüngster Zeit wurden zahllose Updates veröffentlicht. Panda Banker injiziert auf der Webseite des Opfers bösartigen Skript-Code und nutzt dabei "Man-in-the Browser"-Techniken. Der "Man-in-the-Browser"-Angriff ist eine Sonderform der "Man-in-the Middle"-Attacke". Bei einem MiTB-Angriff infiziert ein Trojaner den Browser des Nutzers.

  • Kamera des Smartphones kann übernommen werden

    Smartphone-Nutzer des Android-Betriebssystem sollten die Tage vorsichtig sein: Eine neue Malware für mobile Telefone ist im Umlauf und liest die Nachrichten und Kontakte der betroffenen Nutzer aus. Die Schadsoftware "Android.Trojan-Spy.Buhsam.A" für Android-Smartphones kann die Whatsapp-Historie der Nutzer ausspionieren, Kontakte auslesen und die Kamera des Smartphones übernehmen. Erstmals entdeckt wurde die Malware von dem Sicherheitsforscher Lukas Stefanko. G Data Analysten haben die Schadsoftware genauer analysiert. G Data Mobile Internet Security erkennt die Bedrohung unter dem Namen Android.Trojan-Spy.Buhsam.A. Nach Ansicht der G Data-Sicherheitsforscher ist die Malware derzeit entweder noch in der Entwicklungsphase oder schlecht programmiert. Denn nachdem die entsprechenden Dienste gestartet werden, erhalten Nutzer eine Benachrichtigung mit dem Inhalt "Service Started". Kriminelle versuchen normalerweise, so versteckt wie möglich zu agieren, um Ihre Spuren zu verwischen. Immer wieder gelangt noch in Entwicklung befindliche Malware versehentlich in den Umlauf, etwa weil die Autoren auf Seiten wie Virustotal überprüfen, ob ihre Schadsoftware von Virenscannern erkannt wird. Trotzdem hat die Malware einige besondere Funktionen.

  • Hide and Seek Botnet hat viele Geräten infiziert

    Hide and Seek, ein neues IoT-Botnet, das Anfang Januar vom Bitdefender Honeypot-System entdeckt wurde, hat schnell Bekanntheit erlangt. Innerhalb weniger Tage hat es über 90.000 Geräte in einem großen Botnet gesammelt. Während die erste Variante Brute-Force-Angriffe über den Telnet-Dienst durchführte, um sich in Geräte zu booten, wurden später durch weitere Updates neue Command Injection Exploits in der Webschnittstelle eines Geräts ausgelöst, die die Möglichkeiten des Botnets auf IPTV-Kameras erweiterten. Nun wurden neue Tricks bei Hide and Seek entdeckt: Indem die Android-Debug-Bridge-(ADB)-over-Wi-Fi-Schnittstelle in Android-Geräten genutzt wird, die Entwickler normalerweise zur Fehlerbehebung verwenden, erhält das Botnet neue Zugriffsmöglichkeiten. Obwohl diese Funktion eigentlich standardmäßig deaktiviert ist, werden einige Android-Geräte mit aktiviertem Gerät ausgeliefert. So werden Benutzer praktisch über die ADB-Schnittstelle, die über den TCP-Port 5555 zugänglich ist, einer Remote-Verbindung ausgesetzt. Jede Remote-Verbindung zum Gerät wird nicht authentifiziert und ermöglicht den Shell-Zugriff, so dass Angreifer praktisch jede Aufgabe im Administratormodus ausführen können.

  • UEFI-Rootkits extrem gefährliche Werkzeuge

    Eset-Forscher haben einen Cyberangriff entdeckt, bei dem erstmals ein sogenanntes UEFI-Rootkit erfolgreich eingesetzt wurde. Die von Eset Lojax getaufte Malware nutzt eine Schwachstelle in der UEFI des Mainboards aus und nistete sich in dessen Speicher ein. Dies ist extrem gefährlich, denn Lojax übernimmt von dort die Kontrolle des gesamten Rechners und kann nicht ohne weiteres gelöscht werden. Klassische Gegenmittel wie Virenprogramme oder gar der Festplattentausch sind wirkungslos. Als Drahtzieher der Kampagne wird die Sednit-Gruppe (auch APT28 oder FancyBear genannt) vermutet, die durch ihre Angriffe auf hochrangige Regierungsziele auf sich aufmerksam gemacht hat. Eset besitzt eine Schutzfunktion in ihren Antivirenlösungen vor dieser neuartigen Malware-Form.