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Werkzeug für gezielte Überwachungsangriffe


FinSpy schlägt wieder zu: Kaspersky entdeckt neue iOS- und Android-Versionen des bösartigen Überwachungs-Tools
Von WhatsApp bis Threema: Überwachung gängiger Messenger möglich

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Sicherheitsexperten von Kaspersky Lab haben neue Versionen von ,FinSpy‘, einem komplexen, bösartigen Überwachungs-Tool mobiler Geräte, entdeckt. Die neuen Implantate funktionieren sowohl auf iOS- als auch auf Android-Devices, können die Aktivitäten auf fast allen gängigen – auch verschlüsselten – Messaging-Diensten überwachen und ihre Spuren dabei noch besser als bisher verschleiern. Die Angreifer sind dadurch in der Lage, alle Aktivitäten eines Geräts auszuspionieren und sensible Daten wie GPS-Standort, Nachrichten, Bilder, Anrufe und vieles mehr auszulesen.

Bei FinSpy handelt es sich um ein äußerst effektives Software-Werkzeug für gezielte Überwachungsangriffe. Weltweit wurden bereits dementsprechende Informationsdiebstähle bei NGOs, Regierungen und Strafverfolgungsbehörden beobachtet. Die verantwortlichen Cyberkriminellen sind dabei in der Lage, das Verhalten jeder bösartigen FinSpy-Variante an eine bestimmte Zielperson oder eine Zielgruppe anzupassen.

Die Grundfunktionalität der Malware umfasst eine nahezu unbegrenzte Überwachung der Geräteaktivitäten: Lokalisierung von Standorten, Einsicht in alle ein- und ausgehenden Nachrichten, Kontakte, auf dem Gerät gespeicherte Medien und Daten gängiger Messaging-Dienste wie WhatsApp, Facebook-Messenger oder Viber. Alle auf diese Weise abgesaugten Daten werden per SMS- oder HTTP-Protokoll an den Angreifer übertragen.

Erweitertes Funktionalitätsspektrum – höheres Angriffspotenzial
Die neuesten bekannten Versionen der Malware verfügen gegenüber ihren Vorgängern über ein größeres Funktionalitätsspektrum und sind nun auch in der Lage, weitere Messaging-Dienste, einschließlich derjenigen, die bisher als "sicher" galten – etwa Telegramm, Signal oder Threema – zu kompromittieren. Auch bei der Verschleierung der eigenen Spuren gehen sie wesentlich geschickter vor. So kann beispielsweise die iOS-Malware, die auf iOS 11 und ältere Versionen abzielt, nun Anzeichen eines Jailbreaks verbergen, während die neue Version für Android einen Exploit enthält, der Root-Privilegien – also nahezu vollständigen Zugriff auf alle Dateien und Befehle – eines nicht verwalteten Geräts erlangen kann.

Basierend auf den von Kaspersky zur Verfügung stehenden Informationen, benötigen die Angreifer, um sowohl Android- als auch iOS-basierte Geräte erfolgreich zu infizieren, entweder physischen Zugriff auf ein Telefon oder ein bereits "jailbroken" oder "rooted" Gerät. Für Geräte, die bereits jailbroken/rooted sind, gibt es mindestens drei mögliche Infektionswege: SMS-, E-Mail- oder Push-Benachrichtigungen.

Cyberkriminelle reagieren hochflexibel
"Die Entwickler von FinSpy überwachen ständig Sicherheitsupdates für mobile Plattformen und modifizieren ihre Schadprogramme in der Regel sehr schnell, um zu verhindern, dass der Betrieb durch Fehlerbehebungen blockiert wird", sagt Alexey Firsh, Sicherheitsforscher bei Kaspersky. "Darüber hinaus folgen sie Trends und implementieren Funktionen, um Daten aus derzeit beliebten Anwendungen abzugreifen. Wir registrieren täglich Opfer solcher FinSpy-Kompromittierungen. Deshalb lohnt es sich, stets auf die neuesten App- und Plattform-Updates zu achten und sie sofort nach deren Veröffentlichung zu installieren. Denn unabhängig davon, wie vermeintlich sicher bestimmte Anwendungen und die darin verarbeiteten Daten geschützt sind, ist ein Smartphone weitestgehend offen für Spionage, sobald dessen Zugriffrechte unrechtmäßig durch Dritte erworben oder alle Restriktionen hinsichtlich bestehender Zugriffsrechte entfernt wurden,." .

Kaspersky-Tipps zur Vermeidung einer FinSpy-Infizierung
• >> Smartphone oder Tablett nicht entsperrt lassen und stets sicherstellen, dass niemand den PIN bei der Eingabe einsehen kann.
• >> Geräte nicht jailbreaken oder rooten, da dies die Arbeit eines Angreifers erleichtert.
• >> Mobile Anwendungen nur aus offiziellen App-Stores, etwa Google Play, installieren.
• >> Niemals verdächtigen Links, die von unbekannten Nummern geschickt wurden, folgen.
• >> In den Geräteeinstellungen die Installation von Programmen aus unbekannten Quellen blockieren.
• >> Passwörter oder Codes auf dem Endgerät nicht offenlegen, auch nicht für Vertrauenspersonen.
• >> Niemals unbekannte Dateien oder Anwendungen auf dem eigenen Gerät speichern, da sie den Schutz der Privatsphäre beeinträchtigen könnten.
• >> Eine leistungsstarke Sicherheitslösung für mobile Geräte installieren.
(Kaspersky Lab: ra)

eingetragen: 04.08.19
Newsletterlauf: 22.08.19

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Meldungen: Hintergrund

  • Wann wird ein Exploit wirklich zur Gefahr

    Eine weitere Anfälligkeit im Formeleditor in Microsoft Office ist nichts Neues. Interessant ist dieses Mal allerdings die Aktivität des angebotenen Patches. Unabhängig von der Lösung des Problems rücken wieder einmal raubkopierte und alte MS-Office-Versionen ins Blickfeld der Cyberkriminellen. Der Formeleditor (Equation Editor) war sein ganzes Dasein über einer langen Reihe unterschiedlicher Exploits ausgesetzt. Er ist eine Komponente von Microsoft Office, und anstatt ihn noch ein weiteres Mal zu fixen, hat sich der Hersteller dazu entschlossen, einen Patch herauszugeben, der im Wesentlichen den Editor vom System vollständig deinstalliert. Es gibt einen bestimmten Reifepunkt im Lebenszyklus eines Office-Exploits, der dann erreicht ist, wenn den Cyberkriminellen Tools zur Nutzung der Schwachstelle in breitem Umfang zur Verfügung stehen. Zuvor trifft der Exploit nur wenige ausgewählte Opfer mit gezielten Angriffen. Ab dem Zeitpunkt jedoch, an dem er weit verbreitet ist, entsteht für eine breite Nutzergruppe eine Bedrohung. Die aktuelle Schwachstelle des Equation Editor erreichte diesen entscheidenden Reifegrad Ende Juni 2019 - genannt CVE-2018-0798.

  • Werkzeug für gezielte Überwachungsangriffe

    Sicherheitsexperten von Kaspersky Lab haben neue Versionen von ,FinSpy', einem komplexen, bösartigen Überwachungs-Tool mobiler Geräte, entdeckt. Die neuen Implantate funktionieren sowohl auf iOS- als auch auf Android-Devices, können die Aktivitäten auf fast allen gängigen - auch verschlüsselten - Messaging-Diensten überwachen und ihre Spuren dabei noch besser als bisher verschleiern. Die Angreifer sind dadurch in der Lage, alle Aktivitäten eines Geräts auszuspionieren und sensible Daten wie GPS-Standort, Nachrichten, Bilder, Anrufe und vieles mehr auszulesen. Bei FinSpy handelt es sich um ein äußerst effektives Software-Werkzeug für gezielte Überwachungsangriffe. Weltweit wurden bereits dementsprechende Informationsdiebstähle bei NGOs, Regierungen und Strafverfolgungsbehörden beobachtet. Die verantwortlichen Cyberkriminellen sind dabei in der Lage, das Verhalten jeder bösartigen FinSpy-Variante an eine bestimmte Zielperson oder eine Zielgruppe anzupassen.

  • Loader für Trojaner und Ransomware

    In der Welt der Malware spielen Loader, also Programme, die andere Software wie Trojaner oder Ransomware nachladen, eine immer wichtigere Rolle. Unternehmen brauchen in vielen Fällen sehr lange, bis eine derartige Schadsoftware entdeckt wird - häufig geschieht dies erst, wenn die Malware weitere Module nachlädt. Proofpoint hat nun seine neuesten Erkenntnisse zu den Aktivitäten eines der umtriebigsten Akteure in diesem Feld in einem Blog-Post veröffentlicht. Die Rede ist von der Hackergruppe TA505 (Threat Actor 505), die einen neuen Loader verbreitet, mit dem vor allem die Bankenbranche in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Südkorea, Singapur und den USA ins Visier genommen wird.

  • Sodin nutzt Windows-Schwachstelle aus

    Kaspersky-Forscher haben eine neue Verschlüsselungs-Ransomware namens ‚Sodin' entdeckt, die eine kürzlich entdeckte Zero-Day-Windows-Sicherheitslücke ausnutzt, um erhöhte Berechtigungen in einem infizierten System zu erlangen. Des Weiteren nutzt sie die Architektur der Central Processing Unit (CPU), um eine Erkennung zu vermeiden, und benötigt keine Nutzerinteraktion zur Infizierung. Ransomware, die Geräte oder Daten verschlüsselt oder sperrt und Lösegeld verlangt, ist eine ständige Cyberbedrohung für Privatanwender und Unternehmen. Die meisten Sicherheitslösungen erkennen bekannte Versionen und etablierte Angriffsmethoden. Die Sodin-Ransomware ist allerdings anspruchsvoller und nutzt eine kürzlich entdeckte Zero-Day-Sicherheitslücke in Windows (CVE-2018-8453) aus, um seine Rechte auf dem betroffenen System auszuweiten.

  • Blaupause eines Cyberangriffs

    Experten der Bitdefender-Labs ist es gelungen, den zeitlichen Verlauf eines Angriffs der Carbanak-Gruppe vollständig zu rekonstruieren. Opfer war eine osteuropäische Bank. Die Rekonstruktion aller Aktivitäten der Attacke liefert wertvolle Erkenntnisse für die Sicherung kritischer Infrastrukturen und zeigt die Bedeutung von Endpoint-Security-Maßnahmen auf. Während die Infiltrierung des Netzwerks bereits nach 90 Minuten abgeschlossen war, bewegten sich die Angreifer mit Hilfe der Cobalt Strike Malware weitere 63 Tage durch die gesamte Infrastruktur, um das System auszuspähen und weitere Informationen für den finalen Raubüberfall zu sammeln. Wäre die Attacke erfolgreich gewesen, hätten die Kriminellen unbemerkt über das Geldautomatennetzwerk verfügen können.