- Anzeigen -


Sie sind hier: Home » Virenwarnung » Hintergrund

Wann wird ein Exploit wirklich zur Gefahr


Hacker nutzen Schwachstelle im MS-Formeleditor für Exploits
Patchen ist eine gute Möglichkeit, seine Systeme gegen Angriffe abzusichern

- Anzeigen -





Eine weitere Anfälligkeit im Formeleditor in Microsoft Office ist nichts Neues. Interessant ist dieses Mal allerdings die Aktivität des angebotenen Patches. Unabhängig von der Lösung des Problems rücken wieder einmal raubkopierte und alte MS-Office-Versionen ins Blickfeld der Cyberkriminellen. Der Formeleditor (Equation Editor) war sein ganzes Dasein über einer langen Reihe unterschiedlicher Exploits ausgesetzt. Er ist eine Komponente von Microsoft Office, und anstatt ihn noch ein weiteres Mal zu fixen, hat sich der Hersteller dazu entschlossen, einen Patch herauszugeben, der im Wesentlichen den Editor vom System vollständig deinstalliert.

Es gibt einen bestimmten Reifepunkt im Lebenszyklus eines Office-Exploits, der dann erreicht ist, wenn den Cyberkriminellen Tools zur Nutzung der Schwachstelle in breitem Umfang zur Verfügung stehen. Zuvor trifft der Exploit nur wenige ausgewählte Opfer mit gezielten Angriffen. Ab dem Zeitpunkt jedoch, an dem er weit verbreitet ist, entsteht für eine breite Nutzergruppe eine Bedrohung. Die aktuelle Schwachstelle des Equation Editor erreichte diesen entscheidenden Reifegrad Ende Juni 2019 – genannt CVE-2018-0798.

Charakteristik dieses Exploits
Dieser Exploit wurde während der letzten Monate für gezielte Angriffe eingesetzt und blieb daher meist unter dem Radar. Irgendwann jedoch wurde die Exploit-Implementierung mit nur geringen Änderungen in ein bösartiges Office-Document-Builder-Tool integriert. Erst dies schaffte die Voraussetzungen für eine weitaus breitere Anwendung dieser Angriffstechnik – der nötige Reifegrad war erreicht.

Gemeinsamkeiten des ursprünglichen und jetzt "gereiften" Exploits sind unverkennbar: So ist beispielsweise der Exploit-Trigger exakt derselbe und der Shellcode (verantwortlich für die Entschlüsselung und Ausführung) ist nahezu identisch mit dem Shellcode, der bei den zuvor gezielten Angriffen verwendet wurde. Obwohl CVE-2018-0798 eine relativ einfache Pufferüberlaufschwachstelle ist, gibt es einige Faktoren, die es schwierig machen, den Exploit-Trigger selbst zu optimieren – daher die praktisch identische Implementierung.

Die Schwachstelle ist hier noch einmal technisch sehr detailliert und anschaulich von den SophosLabs-Experten beschrieben.

Patchen: die einen wollen nicht, die anderen können nicht
Patchen ist also eine gute Möglichkeit, seine Systeme gegen Angriffe abzusichern. Doch einige Anwender haben den Patch nicht installiert, da sie den Formeleditor aus durchaus berechtigen Gründen immer noch für viele Aktionen nutzen. So bleibt er in der Computerumgebung weiter fortbestehen. Und obwohl Microsoft Office mehrfach warnt, das schadhafte Dokument nicht weiterzubearbeiten, umgehen Anwender die Warnmeldungen und infizieren sich selbst. Zudem verbleibt er auch auf zahlreichen Geräten, auf denen raubkopierte und ältere Versionen von Windows und/oder Office laufen. Sie erhalten ja keine Updates.

Wen trifft es am stärksten? Nutzer ohne Erfahrung und wenig Know-how
Die begehrtesten Exploits fordern vom Nutzer überhaupt keine Aktion ein. Aber im Fall von EqEd erhalten die Hacker einen Zusatznutzen, sofern sie erfolgreich waren: Sie haben es geschafft, Computer von Personen zu infizieren, die eindeutig kein Wissen in punkto Best Practices zur Computersicherheit besitzen (keine unbekannten Dokumente öffnen, nicht durch zwei unterschiedliche Warnhinweise klicken etc.), und die deshalb auch selten richtig auf Infektionen reagieren.

Diese Schwachstelle ist nicht mit EternalBlue oder BlueKeep vergleichbar, die Tausende von Computern sehr schnell und ohne jegliche Interaktion sowohl der Opfer wie der Angreifer infizieren können. Aber diesen Equation-Editor-Fehler zu verwenden hat einige Vorteile für Hacker: Es zielt auf die die Nutzer, die am wenigsten erfahren und versiert sind – also ein gefundenes Fressen für Cyberattacken. (Sophos: ra)

eingetragen: 04.08.19
Newsletterlauf: 22.08.19

Sophos: Kontakt und Steckbrief

Der Informationsanbieter hat seinen Kontakt leider noch nicht freigeschaltet.


Meldungen: Hintergrund

  • Wann wird ein Exploit wirklich zur Gefahr

    Eine weitere Anfälligkeit im Formeleditor in Microsoft Office ist nichts Neues. Interessant ist dieses Mal allerdings die Aktivität des angebotenen Patches. Unabhängig von der Lösung des Problems rücken wieder einmal raubkopierte und alte MS-Office-Versionen ins Blickfeld der Cyberkriminellen. Der Formeleditor (Equation Editor) war sein ganzes Dasein über einer langen Reihe unterschiedlicher Exploits ausgesetzt. Er ist eine Komponente von Microsoft Office, und anstatt ihn noch ein weiteres Mal zu fixen, hat sich der Hersteller dazu entschlossen, einen Patch herauszugeben, der im Wesentlichen den Editor vom System vollständig deinstalliert. Es gibt einen bestimmten Reifepunkt im Lebenszyklus eines Office-Exploits, der dann erreicht ist, wenn den Cyberkriminellen Tools zur Nutzung der Schwachstelle in breitem Umfang zur Verfügung stehen. Zuvor trifft der Exploit nur wenige ausgewählte Opfer mit gezielten Angriffen. Ab dem Zeitpunkt jedoch, an dem er weit verbreitet ist, entsteht für eine breite Nutzergruppe eine Bedrohung. Die aktuelle Schwachstelle des Equation Editor erreichte diesen entscheidenden Reifegrad Ende Juni 2019 - genannt CVE-2018-0798.

  • Werkzeug für gezielte Überwachungsangriffe

    Sicherheitsexperten von Kaspersky Lab haben neue Versionen von ,FinSpy', einem komplexen, bösartigen Überwachungs-Tool mobiler Geräte, entdeckt. Die neuen Implantate funktionieren sowohl auf iOS- als auch auf Android-Devices, können die Aktivitäten auf fast allen gängigen - auch verschlüsselten - Messaging-Diensten überwachen und ihre Spuren dabei noch besser als bisher verschleiern. Die Angreifer sind dadurch in der Lage, alle Aktivitäten eines Geräts auszuspionieren und sensible Daten wie GPS-Standort, Nachrichten, Bilder, Anrufe und vieles mehr auszulesen. Bei FinSpy handelt es sich um ein äußerst effektives Software-Werkzeug für gezielte Überwachungsangriffe. Weltweit wurden bereits dementsprechende Informationsdiebstähle bei NGOs, Regierungen und Strafverfolgungsbehörden beobachtet. Die verantwortlichen Cyberkriminellen sind dabei in der Lage, das Verhalten jeder bösartigen FinSpy-Variante an eine bestimmte Zielperson oder eine Zielgruppe anzupassen.

  • Loader für Trojaner und Ransomware

    In der Welt der Malware spielen Loader, also Programme, die andere Software wie Trojaner oder Ransomware nachladen, eine immer wichtigere Rolle. Unternehmen brauchen in vielen Fällen sehr lange, bis eine derartige Schadsoftware entdeckt wird - häufig geschieht dies erst, wenn die Malware weitere Module nachlädt. Proofpoint hat nun seine neuesten Erkenntnisse zu den Aktivitäten eines der umtriebigsten Akteure in diesem Feld in einem Blog-Post veröffentlicht. Die Rede ist von der Hackergruppe TA505 (Threat Actor 505), die einen neuen Loader verbreitet, mit dem vor allem die Bankenbranche in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Südkorea, Singapur und den USA ins Visier genommen wird.

  • Sodin nutzt Windows-Schwachstelle aus

    Kaspersky-Forscher haben eine neue Verschlüsselungs-Ransomware namens ‚Sodin' entdeckt, die eine kürzlich entdeckte Zero-Day-Windows-Sicherheitslücke ausnutzt, um erhöhte Berechtigungen in einem infizierten System zu erlangen. Des Weiteren nutzt sie die Architektur der Central Processing Unit (CPU), um eine Erkennung zu vermeiden, und benötigt keine Nutzerinteraktion zur Infizierung. Ransomware, die Geräte oder Daten verschlüsselt oder sperrt und Lösegeld verlangt, ist eine ständige Cyberbedrohung für Privatanwender und Unternehmen. Die meisten Sicherheitslösungen erkennen bekannte Versionen und etablierte Angriffsmethoden. Die Sodin-Ransomware ist allerdings anspruchsvoller und nutzt eine kürzlich entdeckte Zero-Day-Sicherheitslücke in Windows (CVE-2018-8453) aus, um seine Rechte auf dem betroffenen System auszuweiten.

  • Blaupause eines Cyberangriffs

    Experten der Bitdefender-Labs ist es gelungen, den zeitlichen Verlauf eines Angriffs der Carbanak-Gruppe vollständig zu rekonstruieren. Opfer war eine osteuropäische Bank. Die Rekonstruktion aller Aktivitäten der Attacke liefert wertvolle Erkenntnisse für die Sicherung kritischer Infrastrukturen und zeigt die Bedeutung von Endpoint-Security-Maßnahmen auf. Während die Infiltrierung des Netzwerks bereits nach 90 Minuten abgeschlossen war, bewegten sich die Angreifer mit Hilfe der Cobalt Strike Malware weitere 63 Tage durch die gesamte Infrastruktur, um das System auszuspähen und weitere Informationen für den finalen Raubüberfall zu sammeln. Wäre die Attacke erfolgreich gewesen, hätten die Kriminellen unbemerkt über das Geldautomatennetzwerk verfügen können.